Kein Schritt zurück – Arbeiterinnen auf die Straße gegen die Prekarisierung des Lebens!

Wir wollen keinen Feminismus, der nur an der Oberfläche kratzt. Wir kämpfen gegen Patriarchat und Kapitalismus, gegen Ausbeutung und unbezahlte Sorgearbeit – für ein gutes Leben für alle und die Befreiung von Frauen und Queers!

Dieser Antrag wurde auf der 46. Landesvollversammlung der Linksjugend ['solid] NRW gestellt und mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Wir als feministischer Jugendverband stellen klar: Feminismus bedeutet die Abschaffung der aktuellen patriarchalen und kapitalistischen Gesellschaft. Wir wollen feministischen Klassenkampf, und zwar massenhaft und gemeinsam. Die Pflegerin im Krankenhaus, die alleinerziehende Mutter im abgehängten Stadtteil und die Studentin, die in der Gastronomie arbeitet, sollen Feminismus an ihrer Seite wissen. Während Rechte Feminismus zum Kulturkampf verklären, zeigen wir, dass unser Feminismus konkret Leben verändern möchte.

Für uns ist der Kampf gegen die Prekarisierung von Arbeiterinnen zentral! Arbeiterinnen werden am Arbeitsplatz besonders stark ausgebeutet und sind zusätzlich in der Familie dazu gezwungen, unbezahlte Sorgearbeit zu leisten! Sorgearbeit nützt dem kapitalistischen System, indem die wertvolle Arbeitskraft wiederhergestellt wird – sei es durch das Kümmern um den eigenen Mann oder das Erziehen von Kindern. Partnerschaftlicher Besitzanspruch endet im schlimmsten Fall tödlich. Dann hängt es von dem Geld ab, das du auf dem Konto hast, und davon, wie schnell du eine Wohnung finden kannst, ob du dir leisten kannst, dich zu trennen. Nicht nur Lohnausbeutung muss enden, sondern auch Sorgearbeit muss in gesellschaftlicher Verantwortung liegen und das Leben für alle leistbar sein. Gleichberechtigung kann nur in einer sozialistischen Gesellschaft entstehen, in der mit dem Ende der Lohnausbeutung Bedingungen dafür geschaffen werden, dass das Patriarchat abgeschafft werden kann.

Aus diesem Grund muss unser Fokus auf dem feministischen Klassenkampf und nicht auf reformistischen Ansätzen liegen, denn nur mit feministischer Klassenpolitik können wir als Arbeiter*innenklasse die Befreiung der 99 %, inklusive der Befreiung von Frauen und Queers, erkämpfen. Feministische Themen sollten aus diesem Grund immer unter dem Aspekt des Klassenkampfes betrachtet werden. Sexismus und (verinnerlichte) Misogynie entstehen aus dem Patriarchat und sind damit die Ideologie, die dieses System stützt. Während wir die Wurzel des Problems – das Patriarchat und den Kapitalismus – angreifen, ist es wichtig, dass wir gleichzeitig einen solidarischen Umgang in der eigenen Organisation finden. Es soll zum alltäglichen Umgang gehören, Genossen darauf anzusprechen, wenn sie unterbrechen, Kompetenzen absprechen oder unangebrachte Kommentare zum Äußeren machen. Es soll auch zum alltäglichen Umgang gehören, unter Frauen und Queers Solidarität aufzubauen, statt der patriarchalen Konkurrenz zu verfallen. Kluge Gedanken und starke politische Praxis einer anderen Frau oder queeren Person machen uns alle stärker, nicht schwächer. Verschiedene strategische feministische Positionen sollen als solche debattiert werden und nicht als persönliche Eigenschaft. Nachfragen bei Unkenntnis über eine feministische Position oder eine andere kontroverse Position sind ein valides Mittel, um andere Perspektiven nachvollziehen zu können.

Daher folgende Forderungen: Die Linksjugend ['solid] NRW:

  • Plant konkrete klassenpolitisch ausgerichtete Außenkommunikation und Aktionen.
  • Fördert und organisiert Workshops und Bildungsangebote zum Thema Kapitalismus und Klassenkampf in Verbindung mit feministischer Praxis.
  • Orientiert sich bei Beschlussfassungen zu feministischen Themen an erarbeiteten Ergebnissen aus Bildungsveranstaltungen. Wenn es Kontroversen gibt, sollen diese auch vor einem Beschluss solidarisch debattiert werden – alles andere zollt dem Feminismus keinen Respekt.
  • Macht Möglichkeiten, feministische Workshops finanziell unterstützt zu bekommen, transparent, um diese für Basisgruppen einfacher zugänglich zu machen.
  • Kritisiert exkludierendes Verhalten gegenüber FLINTA*, insbesondere ATIN*-Personen, und setzt sich in Zukunft dafür ein, solches zu verhindern. Entsprechend bekräftigt die Linksjugend NRW den Bundeskongressbeschluss: „Wir kämpfen Schulter an Schulter!“ – Linksjugend ['solid]